Rund 1800 Alphornbläserinnen und Alphornbläser in der Schweiz – Steigt die Zahl weiter ?

Die Volksmusik geniesst einen guten Ruf und sie ist in der breiten Bevölkerung “in”. Die Fakten belegen, dass die Zahl der aktiv Musizierenden in den letzten zwanzig-dreissig Jahren stark gewachsen ist. Das musikalische Niveau ist so hoch wie nie zuvor. Rund 1800 Alphornbläserinnen und Alphornbläser sind angeblich in der Schweiz aktiv. Eine ähnliche Entwicklung erlebt die schweizerische Blasmusik. In der Schweiz gibt es rund 75’000 Blasmusikantinnen und Blasmusikanten. Das musikalische Können ist beeindruckend. Und doch kämpfen die Schweizer Blasmusikvereine um ihren Nachwuchs. Viele meinen, der Zenith der Schweizer Blasmusik sei überschritten. Neue Musikrichtungen, wie zum Beispiel die Brass Band – Szene, haben in den letzten fünfzig Jahren Impulse gegeben, die insbesondere die Jugend anspricht. Verblüffende Kompositionen begeistern die Musizierenden wie auch das Publikum. Die Gesellschaftsveränderung ergreift auch Männerchöre, Kirchenchöre, Turnvereine, Schützengesellschaften, ja alle klassischen Vereine. Und wie sieht die Entwicklung in der Alphornmusik aus? Die Sehnsucht nach heiler Welt, nach Geborgenheit, nach Natur und Heimat müssen vermuten lassen, dass dem Alphorn eine sichere Zukunft beschieden sein müsste. Doch der Traum vom Alphornspielen ist mit harter Arbeit, mit dauerhaftem Üben verbunden. Das Alphornspiel ist weit anspruchsvoller als viele meinen. Im urbanen Raum wird das Üben zu einer besonderen Herausforderung. Man mag im Quartier auf Dauer weder die Kirchenglocke noch das Alphorn. So viele Musizierende wie neu beginnen, so viele stellen das Alphorn wieder in die Ecke. Jede Schweizerin und jeder Schweizer kennt das Alphorn. Man hört es mehrfach im Jahr. An fast jeder Grossveranstaltung treten Bläsergruppen auf und geben ihr Bestes. Der Effekt der Erstmaligkeit ist mittlerweile verflogen. Eine Sättigung ist spürbar. Indem die Stilrichtungen des Alphornspiels in neue Ufer aufbrechen, wird eine wertvolle Diversität erreicht. Die wenigen Berufsmusikerinnen und Musiker auf dem Alphorn können in der Schweiz kaum überleben. Der Markt ist zu klein. Und auch bei uns Alphornbläserinnen und Alphornbläsern stellen wir eine Überalterung fest. Persönlich glaube ich, dass sich die Zahl der Alphornnistinnen und Alphornisten in der Schweiz in den nächsten Jahrzehnten kaum erhöhen wird. Zuviele Zeichen der Zeit sprechen gegen eine Vermehrung. Aber aussterben wird das Alphorn in den nächsten Jahrzehnten ganz bestimmt nicht! (2019)

Jodeln wird Hauptfach an der Musikhochschule Luzern

Wer hätte dies jemals gedacht: An der Musikhochschule Luzern kann aber Herbst 2018 das Hauptfach “Jodeln” belegt werden. Das ist ein grosser Gewinn für die Schweizer Volksmusik. Die allseits bekannte Jodlerin Nadja Räss doziert dieses Fach. Gleichzeitig übernimmt sie die Gesamtleitung des Studienbereichs Volksmusik. Der Ausbau des professionellen Volksmusikstudiums gibt einen weiteren Schub zur Akzeptanz und Weiterentwicklung der Schweizer Volksmusik. Mit Nadja Räss hat die Hochschule die perfekte Person gefunden. Aber letztlich ist die Erweiterung des Hauptfaches eine öffentliche Wertschätzung unseres Volksgutes. Das nützt auch uns Alphornbläserinnen und Alphornbläsern! (2018)

Annäherung der Frauenstimme an die Männerstimme

Aus der Tradition unterscheiden sich die Frauen- und Männerstimme um eine Oktave. Gemäss einer grossangelegten Untersuchung hat sich die Differenz in den letzten 50 Jahren halbiert (Kulturplatz SRF vom 31.1.2018). Die Männerstimmen sind konstant geblieben. Die Frauenstimmen sind tiefer geworden. Als Grund werden  “die gute Ausbildung und das hohe Einkommen der Frauen” angeführt. Diese Faktoren hätten zu grösseren stimmlichen Gestaltungsmöglichkeiten und letztlich zu einem grösseren Stimmenumfang geführt. Da frage ich mich, ob die Emanzipation dann vollständig erreicht wird, wenn die Frauenstimme auf dem Niveau der Männerstimme angelangt ist ! (2018)

Das Alphorn hat auch in der Wirtschaft seinen Stellenwert

Die jährlich stattfindende Winterkonferenz des Schweizerischen Gewerbeverbandes (Januar 2018) schenkt auch dem Alphorn in der Schweiz seine Beachtung und hat für die Unternehmer einen “Work-Shop” eingerichtet. Flugs habe ich ein paar Takte komponiert und diese zusammen mit André Schreyer aus Magden (Gemeindepräsident, Geschäftsführer eines Branchenverbandes und Blasmusiker) zweistimmig vorgetragen. Der spontane Vortrag hat wohl viele positiv überrascht. Viele haben sich dann auch an das Alphorn gewagt …. waren dann aber über die “Ausbeute” eher enttäuscht. Die Medien aus der ganzen Schweiz haben uns dann gerne als Sujet genommen! (Februar 2018)
Winterkonferenz sgv Jan. 2018

Harte Kritik über den “neuen” Jodelgesang

Der Kulturkritiker Stefan Künzli zieht am 11. November 2017 in der “Schweiz am Wochenende” hart über den aktuellen Jodelgesang her. So schreibt er: “Ob Heimweh, Wiesenberg oder der urchige Gäla. Popmusik mit Jodlerchörli dominiert die Schweizer Hitparade. Ein neues Genre, ein cleveres Geschäftsmodell, aber musikalisch und inhaltlich ein Rückschritt.” Er bezeichnet die Stilrichtung als “Jodelchörli-Pop”. Das Rezept sei: “Man nehme einen Männerchor und lasse ihn einen Popsong singen. Garniere ihn mit volkstümlichen Elementen wie Jodel oder Instrumenten wie Akkordeon. Fertig!”
Was typisch für die Kulturkritiker ist, sie fordern eine Weiterentwicklung der Kunst, sind aber nicht bereit neue Entwicklungen zu akzeptieren, ob in der Musik, in der Malerei oder in der Plastik. Mir gefallen die neuen Strömungen. (2017)
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